Knapp daneben

Oft wird etwas gesagt oder geschrieben, was streng genommen falsch ist, was man aber trotzdem richtig versteht. Die Umgangssprache erlaubt solche Ungenauigkeiten, ja, sie lebt sogar davon. In manchen Fällen nennt man die entsprechenden Wendungen Metonymien. 

Schon Eulenspiegels Streiche beruhten auf der allzu wörtlichen Interpretation  eines Auftrags. Er hielt sich streng an das Gesagte, und gab vor, das Gemeinte nicht zu verstehen.  

Aber darum geht es uns hier nicht. Es geht uns nicht um die Umgangssprache, sondern um die Sprache der Physik; um physikalische Aussagen, die nicht korrekt sind, und die Eingeweihte trotzdem verstehen.

Einige solcher Aussagen werden in den kommenden Monaten hier erscheinen. 

Am liebsten hätten wir unsere Fundstücke nur ausgestellt, so wie es der SPIEGEL auf seiner letzten Seite im Hohlspiegel tut: Jeder erkennt (fast immer) sofort, was nicht stimmt. 

Wir haben allerdings die Erfahrung gemacht, dass das, was wir beanstanden, von den Fachleuten oft gar nicht als tadelnswert erkannt wird. Wir fügen daher zu unseren Zitaten manchmal eine kurze Belehrung oder Erklärung hinzu.

Das Format ist also:

1. Was gesagt wurde
2. Was gemeint war
3. Bemerkung (manchmal)

Die Einwände, die kommen werden, kennen wir: Seid doch nicht so pingelig. Ihr drückt euch ja selbst auch nicht immer korrekt aus. Jeder versteht doch, was gemeint ist.

Unsere Antwort: Jeder, der Bescheid weiß, versteht, was gemeint ist. Wer nicht Bescheid weiß, versteht es nicht. Warum sagst du nicht was Du meinst?

Wer sich betroffen fühlt, den bitten wir um Nachsicht und Verständnis: Wir sind Lehrer! Wir kämpfen in unserem Unterricht an gegen die Flut der flotten aber irreführenden Sprüche aus Zeitungen, aus dem Fernsehen, und aus vielen anderen Quellen. Wir Lehrer sind die Aufräumer, die die Drecksarbeit machen.

Physik Journal, September 2019, S. 80

Was gesagt wurde:

„Ist jedes der mehreren hundert Einzelteile der Fahrradkette ordentlich geschmiert, gehen nur knapp zwei Prozent der eingesetzten Kraft bei der Übertragung von der Kurbel auf das Hinterrad verloren.


Was gemeint war:

„Ist jedes der mehreren hundert Einzelteile der Fahrradkette ordentlich geschmiert, gehen nur knapp zwei Prozent der Energie, die durch die Kette von der Kurbel zum Hinterrad fließt, verloren.